Prävention braucht Aufarbeitung

Sexualisierte Gewalt: Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. startet als erster großer Jugendverband umfassenden Aufarbeitungsprozess in Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Forschungsinstitut.

So will der BdP mögliche Fälle von sexualisierter Gewalt und die dafür verantwortlichen Strukturen zwischen den Jahren 1976 und 2006 aufarbeiten. Der Prozess soll die Prävention verbessern, Betroffene stärken und Vorbild für andere Jugendorganisationen sein.

Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP) hat im Rahmen des verbandsinternen Projekts Echolot beschlossen, Fälle sexualisierter Gewalt aufzuarbeiten, zu denen es in den Jahren zwischen der Gründung des Verbands 1976 und der Überarbeitung der verbandlichen Präventionsarbeit 2006 auch im BdP gekommen ist. „Präventions- und Interventionsarbeit sind heute unverzichtbare Säulen unserer Arbeit. Doch in unserer über 40-jährigen Geschichte ist es uns nicht immer gelungen, unsere Mitglieder vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Wir sind der Überzeugung, dass eine gründliche Aufarbeitung dieser Fälle unsere Kinderschutzbemühungen nur stärken kann. Aufarbeitung bedeutet für uns außerdem, Opfern und Betroffenen die Möglichkeit zu geben, gehört zu werden und Anerkennung zu erfahren.“, so Bundesvorstandsmitglied Marcus Lauter.

Um eine ehrliche und unabhängige Untersuchung zu gewährleisten, hat der BdP das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung beauftragt. Die Arbeit, in deren Mittelpunkt die Befragung von Zeitzeug*innen sowie Aktenauswertungen stehen werden, soll Mitte 2021 beginnen. Marcus Lauter: „Soweit wir wissen, sind wir der erste Jugendverband, der sich einer derart umfassenden Aufarbeitung stellt und wir wollen daher auch als Vorbild für andere Jugendverbände und Pfadfinderbünde dienen. Dass wir uns damit beschäftigen, heißt nicht, dass es im BdP besonders viele Vorfälle gab, sondern dass wir uns unserer Verantwortung besonders bewusst sind und uns dieser auch stellen wollen.“

Ergebnisse der Studie werden Anfang 2023 erwartet. Die Zwischenzeit will der BdP nutzen, um seine Präventionsarbeit weiter zu stärken und eine breite Diskussion über den Umgang mit Betroffenen, Täter*innen und Verdachtspersonen im BdP zu führen.
Bisher hat der BdP den Aufarbeitungsprozess ausschließlich aus eigenen Mitteln gestemmt. Für die weiteren Projektphasen sucht der Verband deshalb noch nach Spender*innen sowie Kooperationspartnern.

Der Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP) wurde 1976 gegründet, ist interkonfessionell und überparteilich und erreicht rund 30.000 Kinder und Jugendliche. Er gehört zu den großen Pfadfinderverbänden Deutschlands und ist Teil der mit rund 50 Millionen Mitgliedern größten Jugendbewegung der Welt. Ziel der pädagogischen Arbeit des BdP ist es, Kindern und Jugendlichen Gemeinsinn und Verantwortung, Weltoffenheit und Umweltbewusstsein zu vermitteln.

Kontakt:
Karolin Reinhold, Referentin Arbeitskreis Echolot-Aufarbeitung / karolin.reinhold@pfadfinden,de / 05673 99584 0